Ein eigener Newsroom?

Brauchen Unternehmen einen eigenen Newsroom?

Bereits vor drei Jahren wurde diese Frage heftig diskutiert, als einige prominente Unternehmen damit begonnen haben, einen solchen Bereich aufzubauen. Inzwischen erkennen immer mehr Unternehmen, dass es wirklich neue Ansätze in der Kommunikation braucht. Anders gesagt: Es ist unbestritten, dass es ohne das Content Marketing und ohne die Verteilung über viele unterschiedliche Kanäle nicht mehr geht. Daher wird erneut die Frage gestellt: Brauchen wir jetzt einen Newsroom?

Zunächst ist die Unterscheidung wichtig: Geht es um eine bloße Gestaltung der Räume oder um eine inhaltliche Neuausrichtung? Wenn nur einfach ein großer gemeinsamer Raum für alle Content-Schaffenden gesucht wird, kann das Newsroom oder Großraumbüro oder Sammelplatz oder was auch immer heißen – mit einer Newsroom-Strategie hat das nichts zu tun. Dafür braucht es zunächst die Bereitschaft, Themen (oder sagen wir besser: Geschichten) auf eine andere Art und Weise aufzubereiten. Viele sagen auch „steuern“, aber das stimmt nicht: „Steuern“ können wir heute nicht mehr viel, wir können nur in die richtige Richtung lenken. Die Zeit des „Steuerns“ ist vorbei, die Kontrolle haben wir alle nur mehr zum Teil.

Folgende Kernpunkte sollte meiner Meinung nach eine Newsroom-Strategie haben, tatsächlich orientiere ich mich dabei an modernen Redaktionen – diese dienen ja als Vorbild:

  • Geschichten im Vordergrund

Es geht jetzt nicht mehr darum, in dieser Kammer eine Presseaussendung zu verfassen, in der nächsten ein Posting und in der dritten den Beitrag für den Corporate Blog. Vielmehr stehen Geschichten im Vordergrund, die dann auf die einzelnen Kanäle verteilt werden. Das bedeutet auch: Die Geschichte muss verstanden werden und korrekt sein, ein Newsroom ist also keine Output-Maschinerie, sondern soll zunächst Recherche möglich machen.

  • Menschen, nicht Maschinen

Solange nicht Roboter interessante, nützliche Geschichten schreiben (hoffentlich nie!), sind es Menschen, die das tun. Also besteht ein Newsroom aus Menschen, nicht aus schön angeordneten Computern. Hier werden unterschiedliche Formate produziert, etwa Texte, Grafiken, Videos. Doch Technologie ist Mittel zum Zweck – nicht mehr.

  • Geschwindigkeit mit Qualität

Ein großes Missverständnis: Es muss heute alles schneller gehen, also leidet die Qualität. Das stimmt so nicht. Zwar muss auf aktuelle Entwicklungen rasch (und richtig) reagiert werden, aber wer selbst Themen (sorry: Geschichten) vorgeben kann, schafft Qualität. Agieren statt reagieren – eine Binsenweisheit, die im Newsroom doppelt wichtig ist.

  • Individuell, nicht von der Stange

Letztlich muss jeder Newsroom auf das Unternehmen maßgeschneidert werden. Größe, Budget, Branche sind verschieden, daher gibt es auch nicht das eine Newsroom-Konzept, das für alle passt.

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