Fakten zu Kasachstan

Heute um 18 Uhr tritt Österreichs Fußballnationalteam in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, im Rahmen der WM-Qualifikation an. Das kasachische Team ist dann gleich am Dienstag zu Gast in Wien. Hier einige Fakten zu dem Land:

 

1. Wofür ist Kasachstan bekannt?

Für großartige Fußballspieler zum Glück nicht. Dafür für seine enormen Ölvorkommen. Das Land mit knapp 17 Millionen Einwohnern ist die größte Volkswirtschaft in Zentralasien. Der Hintergrund: Von den geschätzten neun Milliarden Barrel Erdöl, die rund um das Kaspische Meer lagern sollen, ist ein Großteil auf dem Staatsgebiet von Kasachstan zu finden bzw. zu heben — deshalb engagieren sich auch viele ausländische Mineralölgesellschaften in dem Land. Jahr für Jahr steigt die Ölförderung; auch die Gasförderung wird ausgebaut.

 

2. Was macht Kasachstan für Investoren so interessant?

Neben dem Ölreichtum vor allem der Vorrat an Seltenen Erden. Zuletzt hat etwa Deutschland seine Kontakte zu Kasachstan—sehr zum Missfallen von Menschenrechtsaktivisten — vertieft. Deutsche

Unternehmen wollen sich an der Suche und Ausbeutung dieser Seltenen Erden beteiligen. China kontrolliert derzeit mehr als 95 Prozent der Weltproduktion der Seltenen Erden, die für die Herstellung von Hightech-Produkten dringend benötigt werden.

 

3. Was ist mit den Menschenrechten? Und wer ist überhaupt dieser Herr Nasarbajew?

Nursultan Nasarbajew ist der Staatspräsident der ehemaligen Sowjetrepublik, der autoritär mit seiner Partei „Nur Otan" („Strahlendes Vaterland") seit 1991 regiert. Die Opposition wird systematisch unterdrückt. Zwar waren bei den letzten Wahlen im Jänner des Jahres offiziell auch andere Parteien zugelassen und zwei schafften es sogar ins Parlament — doch das war nach Ansicht von OSZE-Beobachtern eine reine „Orchestrierung".

 

4. ....und was macht er demnächst in Österreich?

Nursultan Nasarbajew kommt am 23. Oktober zu einem Arbeitsbesuch nach Österreich. In dessen Rahmen wird es auch ein Österreichisch-Kasachstanisches Wirtschaftsforum in der Wirtschaftskammer Österreich geben. Dabei sollen unter anderem Investitionsmöglichkeiten für österreichische Firmen ausgelotet werden. Und um 11.30 Uhr wird Herr Nasarbajew eine Rede halten. Menschrenrechte werden darin weniger eine Rolle spielen.

 

5. Was ist eigentlich Astana?

Astana ist die Hauptstadt des Landes. Die ehemals unbedeutende Stadt wurde 1997 von Präsident Nasarbajew zur neuen Metropole erkoren; mit scheinbar unendlichen Mitteln aus dem Ölreichtum des Landes wurde die Bauwut befeuert. Heute hat Astana rund 750.000 Einwohner, unzählige Prunkbauten, Wolkenkratzer — und ein sehr unfreundliches Klima: Zwar hat es derzeit angenehme Herbsttemperaturen, sonst aber ist Astana nach Ulaan-Bator die zweitkälteste Hauptstadt der Welt.

6. Was hat Kasachstan mit einem britischen Star-Architekten zu tun?

Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew hat sich für Astana niemanden Geringeren als Sir Norman Foster geleistet, um seine größenwahnsinnigen Pläne zu verwirklichen: Der britsche Architekt hat für die Hauptstadt unter anderem den pompös-grausigen Bajterek-Turm entworfen, der mit seiner goldenen Glaskuppel ein Musterbeispiel für Geschmacksverwirrung ist.

 

7. Wie wäre es mit ein paar geographischen Fakten?

Kasachstan ist das größte Binnenland der Welt und das insgesamt neuntgrößte. Es zählt auch zu den am dünnsten besiedelten Staaten der Erde (Kasachstan: rund 6 Einwohner je Quadratkilometer; Österreich rund 100 Einwohner je Quadratkilomter).

Der Großteil des Landes liegt in Asien, nur etwas mehr als fünf Prozent zählen zu Europa — doch das reichte, um fußballtechnisch zur UEFA zu zählen. Genauer gesagt ist Kasachstan seit zehn Jahren Mitglied des Europäsichen Fußballverbands.

 

8. Wie geht es Kasachstan wirtschaftlich?

Recht gut angesichts der politischen Lage: Das Wirtschaftswachstum betrug im Vorjahr 7,5 Prozent, für heuer sind immerhin noch 5,7 Prozent prognostiziert. Im Vergleich zu Österreich ist das BIP pro Kopf aber immer noch weit weg von EU-Standards.

 

9. Was verbindet Österreich und Kasachstan sonst noch?

Die Außenhandelsbilanz zwischen den beiden Ländern ist —gelinde ausgedrückt — einseitig. Das Ungleichgewicht liegt vor allem daran, dass Österreich in großen Mengen Erdöl aus Kasachstan importiert — es macht 95 Prozent aller Importe aus der Kaspischen Region aus. Ausgeführt wurden im Gegenzug vor allem Pharmazeutika, Maschinen und Anlagen, Eisenwaren sowie Mess- und Prüfinstrumente. Ende September hat Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner angekündigt, den Handel mit der Region zu forcieren. Eine Hürde bleiben dabei die politische Instabilität und die Menschrechtssituation.

Bis vor kurzem waren die Beziehungen zwischen den Ländern auch durch die Causa Aliyev belastet: Der kasachische Ex-Botschafter in Österreich und Ex-Schwiegersohn von Nasarbajews, Rakhat Alijev, wird in seiner Heimat eines Doppelmords verdächtigt. Er wurde aber von Österreich nicht ausgeliefert, da er nicht mit einem fairen Verfahren rechnen könne. Alijew ist seit 2009 mit einem österreichischen Fremdenpass unterwegs und wohnt zur Zeit auf Malta, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreitet er weiterhin.

 

10. Und was hat Kasachstan mit Borat zu tun?

„Borat“ ist ein kasachischer Journalist – zumindest in dem Film des britischen Brachialkomiker Sacha Baron Cohen.

 

Hier - besser gesagt auf YouTube - der Trailer zum Film.

 

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