Redakteure im Sackerl

Beim KURIER rollen die Köpfe - und zwar nicht (nur) wegen eines Stellenabbaus, sondern weil es das Marketing verlangt. Die jüngste Werbeidee der Zeitungsmacher und der hauseigenen Werbeagentur sieht nämlich vor, dass die bekanntesten Köpfe des Kurier als Papiersackerl-Inhalt auftauchen. Hier der Link  zum Werbespot, der - um es vorsichtig auszudrücken - etwas skurril wirkt. Auch Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter hat sich in ein Sackerl stecken lassen. Diese "Redakteure to go"-Idee ein ist Bestandteil einer größeren Werbekampagne (hier ein Bericht des Horizont darüber), die den Kurier neu "positionieren" soll.

 

 

Über die Umsetzung des "to go"-Gedankens kann man geteilter Meinung sein. Interessanter ist aber die Frage, ob diese neue Form der Leserbindung für Verlage eine Strategie sein kann. Also den Kontakt zum Leser / zur Leserin suchen, um eine gewisse Nähe verspüren zu lassen? Journalisten zum Angreifen? Mein Freund, der Journalist?

Kontakte pflegen

Eigentlich wollen Journalisten ja eher wenig mit Lesern zu tun haben. Gelegentliche Kontakte via Leserbrief oder Leser-Mail müssen reichen, Telefonate sind schon lästig. Nun aber verlangen die Herausgeber, die offenbar allesamt auf dubiosen Marketing-Seminaren der Konsumgüterindustrie waren, den Kontakt zum Kunden zu vertiefen. Und Aktionen wie "Leser-Reporter berichten aus XY" oder die Angabe einer Mailadresse reichen da nicht mehr; die Kunden (=Abonennten, Leser) sollen Redakteure zum Angreifen bekommen. Sie sollen sich mit ihnen austauschen, sie sollen Tipps bekommen, sie sollen dieses Gefühl der Wärme, der Nähe spüren.

 

Ob das den Zeitungen und Magazinen helfen wird, Leser zu halten oder zumindest keine weiteren zu verlieren? Oder kommt es den Lesern nicht doch vor allem auf gute, aktuelle Artikel an. Pseudo-mäßige Interaktionen mit einem Teil der Leser, nur weil das ja auf Facebook und Twitter so gemacht wird, könnte zu wenig sein. Das Geld, das für so etwas ausgegeben wird, könnte man doch einfach in gute Journalisten stecken, oder? Die lassen sich dann zur Not auch mal in ein Sackerl stecken.

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