Offener Brief an den Herrn Finanzminister

Sehr geehrter Herr Finanzminister!

Ich wende mich heute in einer sehr dringenden Angelegenheit an Sie: Nicht nur die Finanzbranche und gewisse Bundesländer stecken in einer schwierigen Lage – auch ich selbst bin von der Bankenkrise betroffen. Konkret geht es um meine Bank im südlichen Teil meines Gartens, die sich in einem jämmerlichen Zustand befindet. Aber bevor ich konkrete finanzielle Hilfe seitens des Bundes – und damit der österreichischen Steuerzahler – einfordere, lassen Sie mich einige Worte darüber verlieren, wie es so weit kommen musste:

Vor einigen Jahren schien es mir eine außerordentlich gute Idee zu sein, in besagter Ecke des Gartens meine eigene Bank zu haben. Ich musste niemanden mehr Rechenschaft schuldig (!) sein, was ich wann wie und mit wem tun würde. Die Bank hat mir beispielsweise dabei geholfen, ein selbst gebautes „Stadion“ zu errichten, in dem ich dann getan habe, als würde ich in einem großen Verein spielen. Auch bei diversen kulturellen und gesellschaftlichen Aktivitäten hat mich die Bank sehr großzügig unterstützt. Generell hatte ich auch kein Problem damit, wenn sich andere wahl- und zwanglos bei der Bank bedienen, ich hätte ja schlecht jeden Einzelnen überprüfen können, oder? Schließlich hat die Bank auch geholfen, von meinem kleinen Teil des Gartens in die weite Welt hinaus zu gelangen, genauer gesagt Richtung Südost. Von der Bank aus sah dieses Südosten plötzlich gar nicht mehr so fremd aus.

 

Letztlich habe ich mich dann aber vor einigen Jahren entschieden, die Bank an einen Nachbarn zu verkaufen. Natürlich habe ich mich äußerst gewissenhaft bei Experten informiert, was man denn für so eine schöne Bank verlangen könnte – einer von ihnen hat mir sechs Stichworte auf einen Zettel gekritzelt und dafür freundlicherweise nur sechs Euro verlangt. Ein Schnäppchen, genau wie die Bank, die ich dann letztlich recht rasch verkaufen konnte. Ich habe damals an die 1600 Euro bekommen, allerdings einen Teil der Bank selbst behalten. Man kann ja nicht auf dem Boden sitzen. Und ich war mir sicher: Meine Zukunft wird rosig sein, ich war ja jetzt reich!

 

Was ich damals nicht wissen konnte: Das Wetter in den nächsten Jahren war unglaublich schlecht, meine Bank (die eigentlich gar nicht mehr mir gehörte) wurde immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Kleinere Reparaturarbeiten mussten von mir durchgeführt werden, was gar nicht so billig war. Nach und nach kamen der Nachbar und ich drauf, dass die Bank von außen zwar schön anzusehen war, aber da war ganz schön der Wurm drinnen. Nicht nur der teilhabende Nachbar, auch die anderen Nachbarn waren schon ganz nervös, weil wer will schon eine „böse Bank“ in seinem Gebiet haben? Ich schaltete damals auf stur, weil wieso sprach man denn immer nur von meiner Bank, wo doch so viele andere Banken auch marod waren?

 

Naja, letztlich hat es dann nichts mehr geholfen, die Bank stand vor dem Zusammenbruch. Ich musste mich entschließen, das Ganze wiederum selbst in die Hand zu nehmen. Diese Bank wurde wieder dem Gesamtgarten einverleibt, der südliche Teil hatte ohnedies andere Probleme: Da wucherte das Unkraut, vor allem das braungefärbte. Nun konnte ich mich aber in den nächsten Jahren leider nicht dazu entschließen, was zu tun sei: Das Ganze auf den Sperrmüll werfen? Notdürftig reparieren oder überhaupt nur lackieren? Jemanden anderen andrehen? Zahllose Beratungsgespräche später wusste ich, dass ich nichts wusste. Das machte aber nichts, weil sogar ausgewiesene Bankexperten (sozusagen Nationalbanker) nicht recht wussten, was sie wissen und sagen durften.

 

So, und jetzt ist es leider soweit: Die Bank ist in einem derart jämmerlichen Zustand, dass ich dringend das Geld brauche. Einfach auf den Müll damit, meinen Sie? Das geht nicht, das würde das Image meines Gartens zerstören, weil – ja was weiß ich, es wäre mir einfach peinlich. Fragen Sie nicht!

 

Jedenfalls würden 19.000 Euro ausreichen, um die Bank auf Jahre zu sanieren, dann wäre alles wieder gut. Denken Sie nur, wie wenig 19.000 Euro zum Beispiel im Vergleich zum Tageslohn des durchschnittlichen Österreichers sind. Apropos: Wenn jeder Österreich nur 0,002 Euro geben würde (hoffe, die Rechnung stimmt, bin ja kein Banker), wäre meine Bank schon saniert. Das muss doch möglich sein, wir geben doch auch Geld für andere Banken her! Aber gut, ich will nicht polemisch sein.

 

Also: Geben Sie bitte dringend, geben Sie zügig! Wir werden nach Möglichkeit nicht mehr darüber reden. Und wir sind uns ja einig, dass sich in rund fünf Jahren niemand mehr daran erinnern wird. Was sind schon 19.000 Euro. Das ist ja keine budgetpolitische Katastrophe.

 

 

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