Freelancer - ein Missverständnis

Weshalb werden Freelancer in Österreich vergleichsweise selten eingesetzt?

In Österreich und in Deutschland liegt die Selbstständigenquote (ohne Landwirtschaft) auf einem ähnlichen Niveau:  Rund 9 Prozent aller Arbeitskräfte sind demnach selbstständig, die beiden Ländern liegen damit im EU-Vergleich am unteren Ende der Skala. Zum Vergleich: In Griechenland sind beinahe ein Viertel der Arbeitskräfte Selbstständige, in den USA rund ein Drittel.

Und dennoch zeigen sich in den Branchen Medien, Werbung und Design Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland: Hierzulande haben es Freelancer – so die gängige Bezeichnung für Selbstständige in diesen Bereichen – schwerer als in Deutschland. Das ist zumindest mein subjektives Gefühl, das von vielen Kolleginnen und Kollegen bestätigt wird. Ich habe mit André Hennen gesprochen, er ist Texter und Autor in Hamburg und hat eine Software für das Management von Freelancern entwickelt, die inzwischen von Xing übernommen wurde. Er führt die Unterschiede auf die gesetzliche Lage zurück: In Österreich gibt es entsprechende Gesetze gegen Scheinselbstständigkeit schon länger, dadurch würden Freelancer in der Kreativ- und Werbebranche pauschal als Scheinselbstständige gelten. Tatsächlich muss man zwischen Scheinselbstständigen und echte Selbstständigen unterscheiden: In vielen Branchen werden Arbeitnehmer nämlich sehr wohl in die Selbstständigkeit gedrängt, obwohl sie gar keine „Freien“ sind – etwa in der Transportbranche. Im Gegenzug darf aber nicht jeder Freelancer in den Verdacht kommen, er sei in Wirklichkeit ein Angestellter. Wahrscheinlich ist es gerade diese Vermischung, die viele Unternehmen davor zurückschrecken lässt, die Dienste der Freien zu nutzen.

Zurück zu André Hennen: In Deutschland gäbe es ein solches Gesetz erst seit drei Jahren, die Freelancer seien daher noch guter Dinge, meint er. Tatsächlich zeigt auf ein Blick auf diverse Freelancer-Plattformen wie Projektwerk, freelancermap oder dasauge, dass Deutschland in dieser Hinsicht schon viel weiter ist – das betrifft neben der Kreativbranche vor allem die IT-Branche, in der die Stundesätze auch deutlich höher sind als bei Medien und Werbung. Laut einer Studie dürfen beispielsweise SAP-Freelancer einen Stundensatz von 110 Euro erwarten, bei Grafik, Content, Medien sind es gerade mal 62 Euro.

Die freie Mitarbeit wird in den Branchen Medien, Werbung und Design dennoch auch in Österreich weiter an Bedeutung gewinnen, da bin ich mir sicher. Das liegt einerseits am steigenden Wunsch nach mehr Freiheit im Beruf, andererseits an den Einsparungsmaßnahmen in Unternehmen, die lieber bei Bedarf auf „Freie“ zurückgreifen statt ein großes Team aufzubauen.