Abstiegskampf

 

Es ist die Phase eingetreten, in der sogar Ironie schmerzt. „Austrianer ist, wer es trotzdem bleibt“ –dieser Spruch von Friedrich Torberg ist Austria-Anhängern derzeit nur ein müdes Lächeln wert. Vor wenigen Monaten noch waren wir in Hochstimmung gewesen: Am 11. Dezember gab es zum Abschied aus der Champions League ein 4:1 über Zenit St. Petersburg und in den Tagen danach Jubelmeldungen über Rekordeinnahmen von 15 Millionen Euro aufwärts. Die Zukunft schien rosig.

 

Wie man sich täuschen kann: Diesen Samstag verlangten aufgebrachte Fans nach der Niederlage in der Südstadt (zu Recht) eine Erklärung dafür, wie es so rasch bergab gehen konnte. Es ist keineswegs der Abstiegsplatz, auf dem die Austria derzeit steht (eher: liegt) als vielmehr die völlige Perspektivenlosigkeit, die den Verein umgibt. Dass sich der Klub offiziell von jeglichen Aussichten auf einen Meistertitel in naher Zukunft losgesagt hat, weil der Salzburger Marketingklub ja so viel mehr Geld hat, ist schlimm genug. Dass es in sportlicher Hinsicht keinerlei Vorstellungen gibt, wie die mittel- und langfristige Zukunft aussehen will, ist aber noch ärger.

 

Die heutige Meldung, dass Peter Michorl an den LASK verliehen wird, ist das beste Beispiel dafür. Der Mittelfeldspieler, der mit seinen 19 Jahren noch immer als „Talent“ gehandelt wird, ist nach Ansicht der sportlichen Führung offenbar deutlich schlechter als die Masse an Zweitware, die man in den vergangenen Monaten von mittelprächtigen Vereinen geholt hat, beispielsweise Leitgeb, De Paula, Salomon. Wie mag es sich für einen Austria-Nachwuchsspieler anfühlen, wenn solche Mittelfeldrackerer dem eigenen Nachwuchs vorgezogen werden?

 

Der bereits vielfach kritisierte Sportdirektor Thomas Parits hat zuletzt mit dem seltsamen Transfer von Lukas Rotpuller gezeigt, dass er tatsächlich etwas überfordert sein dürfte. Mit einem einzigen "echten" Tormann in eine wichtige Saison zu gehen, zeugt von Chuzpe oder Ignoranz. Es liegt allerdings sicher nicht an ihm allein, dass bei Kaderplanung, Trainerbesetzung, Spielersuche und generell bei der Vorgabe von Visionen die Austria den Eindruck völliger Verwirrtheit macht. Ein Konzept kostet keine Millionen, ist also unabhängig von etwaigen Sponsormillionen. Dazu braucht man nur eine fähige, engagierte Führung. Eine, die nicht eine „Task Force“ einrichten muss, um einen neuen Sportdirektor zu suchen. Augenscheinlich wird die Konzeptlosigkeit anhand der Tatsache, dass man jede Saison einer anderen Spielidee anhängt. Derzeit ist es das Allheilmittel Pressing (bzw. Gegenpressing), das der Übungsleiter den hochbezahlten Austria-Akteuren vermitteln soll. Die wirken angesichts der körperlichen und geistigen Aufgaben, die mit der Systemumstellung einhergehen, überfordert, ja nahezu angewidert. Das Spiel in der Südstadt war augenscheinlicher Beweis, dass manche nicht nur nicht können, sondern einfach nicht wollen.

 

Wie kann es weitergehen? Husch-Pfusch-Aktionen am Transfermarkt oder vorschnelle Trainerentscheidungen wäre gerade jetzt der falsche Weg. Es braucht klare Worte von ganz oben, es braucht Visionen, es braucht langfristige Konzepte. Es braucht einen neuen Sportdirektor, der bis über St. Pölten oder Wolfsberg hinaus sieht. Und es braucht einen neuen Kapitän, der klare Worte spricht, statt ständig anderen zu applaudieren.