Sony sucht sein Glück

 

Bei der Sony-Pressekonferenz im Rahmen der IFA in Berlin wurden Details zur zukünftigen Strategie des japanischen Konzerns bekannt gegeben. Sony hat sich heuer in der Halle 20 am Nordeingang der Funkausstellung positioniert - dort, wo die vergangenen Jahre Samsung sein (bombastisches) Lager aufgeschlagen hatte. Ob das Symbolcharakter hat?

 

Sony-Chef Kazuo Hirai begann mit einem durchaus selbstironischen Rückblick auf seinen "Wow"- Auftritt bei der CES. Sonst gab es bei seiner Ansprache sowie bei den Präsentationen des Europa-Chefs und des Chefs der Mobile-Sparte die gewohnte Mischung aus knackigen Marketingslogans, Selbstlob und tollen Werbevideos. Immerhin scheint die Strategie des Konzerns vor allem in den Sparten Mobile, Gaming und Fotografie schon klarer sichtbar als dies in den vergangenen Jahren der Fall war. Hirai, der nach wie vor mit einem schwachen TV-Geschäft und verhaltenen Käufen bei Smartphones zu ringen hat, setzt voll auf Konvergenz: Das neue Z3-Smartphone soll als Verlängerung der PS4 dienen, Kameras oder Kameraaufsätze sollen bei der Bedienung von Social-Media-Plattformen helfen und die Musikabteilung soll erstklassige Inhalte für High-End-Sound (genauer: High-Res-Sound) liefern.

 

Die Technik-Verliebtheit der Ingenieure war bisweilen mehr Hemmschuh für Konzerne wie Sony - nun hat man den Eindruck, nicht das hundertste technische Feature steht im Vordergrund, sondern die Anwendbarkeit. Insofern scheint der Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge, die ein Smartphone unbedingt können muss, recht logisch: Gute Leistung, guter Akku, leicht zu bedienen, handlich. Genau in diese Richtung scheinen die neuen Z3-Smartphones konzipiert zu sein, wobei die Erfüllung dieser Versprechen erst in Tests unter die Lupe genommen werden muss.

 

Die wirtschaftliche Situation bei Sony bleibt angespannt, von den weltweit rund 145.000 Jobs werden in den kommenden Monaten sicher weitere "abgebaut", wie es so unschön heißt. Die Fernseher-Sparte ist einer der Gründe dafür, doch auch auf der IFA wurde wieder sichtbar, dass Sony selbst nicht so ganz daran glaubt, dass man mit dem Schlagwort "Ultra-HD" jetzt die Konsumentenmassen zum Kauf animiert. Viel eher geht man mit Entwicklung wie dem 4K-Mini-Projektor, der jede Fläche als Projektionsebene nutzen kann, in Richtung Komplettausstattung des Heims. Die PS4 wird offenbar dabei eine größere Rolle spielen als bisher gedacht, doch bleibt die Frage im Wohnraum stehen, wann endlich wirklich sinnvolle Netzwerkservices kommen, um all die hübschen Sony-Apparate einfach verbinden zu können.

 

Ein Schwerpunkt von Sony werden jedenfalls in Zukunft "Wearables" sein, also kluge Geräte, die wir am Körper tragen und die uns ständig sagen, ob wir fit, munter, gut gelaunt oder sonstwas sind. Der Trend, sich selbst und andere ständig unter Kontrolle zu behalten, ist offensichtlich - wenn auch etwas erschreckend: Bilder, Töne, Gefühlsstimmungen, Blutdruckwerte - all das soll in der ominösen "Cloud" gespeichert werden. Vom rein Ökonomischen her ist es aber logisch, dass Sony mitmacht.