Länger lernen

Gastkommentar für ESF-Magazin / August 2011

 

Anforderungen an die Weiterbildung der Zukunft

 

Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Diese Binsenweisheit, die Schülern jahrelang eingetrichtert wird, ist heute wichtiger als je zuvor: Lebenslanges Lernen ist die Voraussetzung für die berufliche und persönliche Weiterentwicklung jedes Einzelnen. Und es ist Grundlage einer starken Volkswirtschaft, eines modernen Staates, einer selbstbewussten Gesellschaft.

Nicht umsonst drängen die EU-Bildungsminister seit dem Frühjahr auf eine höhere Beteiligung aller Altersklassen am Lernen. In Österreich sind es allerdings nur knapp 13 Prozent der 25- bis 64-jährigen, die sich fortbilden; im Musterland Dänemark hingegen rund 31 Prozent. Was aber muss getan werden, um mehr Menschen zum Lernen zu motivieren? Das Wichtigste ist es, die Hürden vor den Bildungseinrichtungen abzubauen – etwa über die Öffnung der Universitäten, über regionale Initiativen und praktikable Didaktik (Stichwort E-Learning). Dazu braucht es entsprechende Rahmenbedingungen für die Erwachsenenbildung, von der passenden Ausbildung der Ausbilder (wie es der neue Masterlehrgang an der Uni Klagenfurt zeigt) über die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungsbereichen bis zur Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel – übrigens ein Punkt, den auch das Bildungsvolksbegehren angesprochen hat.

 

Gerade für Menschen, die sich der Bildung bisher verschlossen haben, muss es attraktive Angebote des Lernens geben. Man denke nur an MigrantInnen oder Schulabbrecher. Provokant ausgedrückt: Was nützt die beste Elite-Schule, wenn weite Teile der Bevölkerung von der Bildung ausgeschlossen sind? Ist es für eine stabile Gesellschaft nicht wichtig, dass das Bildungsniveau insgesamt gehoben wird?

 

Hoffentlich werden die gut gemeinten Initiativen für Lebenslanges Lernen nicht in pseudo-politischen Argumenten erstickt, wie es etwa in Sachen Gesamtschule der Fall war. Denn Lebenslanges Lernen ist für uns alle und für Österreich unverzichtbar.

 

ESF Gastkommentar