Der Immobilien-Besitz der Kirche

Artikel WirtschaftsBlatt / Jänner 2012

 

Die Kirche verfügt nur zum Teil über gute Gründe

 

Im Zuge der Debatte um neue Abgaben von Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind, kommt auch der Grundbesitz der Kirche ins Gerede. Doch was gehört ihr überhaupt?

 

Aus der katholischen Kirche ausgetretene Personen sollten eine Art Kultusbeitrag errichten, mit dem etwa für den Erhalt von Kirchen und Klöstern gesorgt werden könnte. Mit diesem Vorschlag löste Max Hiegelsberger, Obmann des oberösterreichischen Bauernbunds, Anfang des Monats heftige Debatten und auch einiges Amüsement aus. Die Reaktionen reichten vom Vergleich mit Faschings-und anderen Scherzen bis zu offener Entrüstung und Ablehnung. Erboste Kirchenabgänger forderten indes, die Kirche sollte doch einfach einen Teil ihrer Grundstücke oder andere Immobilien verkaufen, um somit an Geld zu kommen. Immerhin hat der um die Kultur Österreichs besorgte Bauernbund-Funktionär damit auch für eine Diskussion gesorgt, wie es denn um den Immobilienbesitz der Kirche bestellt sei.

 

Fakt ist: Es kann keine einfache Antwort auf diese Frage geben, denn erstens sind die Besitzer ausgedehnter Ländereien von vornherein äußerst verschwiegen und zweitens besitzt nicht die Kirche einen einzigen Großbesitz, sondern die einzelnen Stifte und Klöster nennen Immobilien ihr Eigen -und auf diese kann ja kein Kardinal zugreifen. So verfügt beispielsweise das Stift Vorau über einen Grundbesitz von 3400 Hektar, davon rund 2900 Hektar Wald.

 

Ausgedehnter Besitz

 

Laut Medienberichten ist auch das Benediktinerstift Admont mit reichlich Wäldern und anderen Flächen gesegnet: Rund 25.000 Hektar soll das Eigentum derzeit groß sein. Auch das Chorherrenstift Klosterneuburg, das Kloster Heiligenkreuz oder das Stift Schlägl verfügen über solche ausgedehnte Ländereien, die meist für Land-und Forstwirtschaft genutzt werden bzw. verpachtet sind. Neben dem Adel sind damit diese geistlichen Institutionen nach wie vor an den vordersten Stellen zu nennen, wenn es um die größten Grundbesitzer des Landes geht.

 

Man sieht schon: Etwaige finanzielle Schieflagen der Kirche ließen sich mit dem Verkauf von Immobilien nicht beheben -diese gehören ja den einzelnen Klöstern und Stiften. Allerdings kommt immer wieder auch das Thema Grundsteuer zur Sprache -von dieser sind gesetzlich anerkannte Kirchen in Österreich nämlich befreit. Allerdings gilt dies u. a. nur für Flächen, die für Zwecke der Seelsorge bzw. für Verwaltungszwecke benützt werden. Jährlich erhalten die 15 größten kirchlichen Einrichtungen des Landes Agrarförderungen in der Höhe von rund vier Millionen €, berichten Medien.