Das Ende des Fernsehens

Artikel WirtschaftsBlatt Jänner 2012

 

Klassisches TV ist ein Auslaufmodell

 

Das Fernsehkastl bleibt immer öfter ausgeschaltet, zeigt eine aktuelle Studie. Und wenn schon Fernsehen, dann müssen es auch Videos und News aus dem Web sein.

 

Internet am TV wird selbstverständlich

 

Das Fernsehen, wie wir es bisher kannten, ist vom Aussterben bedroht -das bezieht sich diesmal keineswegs auf den ORF und die Debatten um sinkende Quoten und steigende Einflussnahme der Parteien. Doch nicht einmal der zukünftige Bürochef eines verzweifelten Generalintendanten kann den Trend aufhalten: Der Fernseher steht immer mehr in Konkurrenz zu Handy, Smartphone und Tablet-PC. Das klassische Fernsehen hat sein Monopol für Unterhaltung und Information in bewegten Bildern verloren, konstatieren die Experten von Accenture, die sich im Rahmen einer Studie das Verhalten der Konsumenten in neun Ländern, darunter Deutschland, angesehen haben. Besonders signifikant dabei die Entwicklung in den USA: Dort schalten heute 40 Prozent der Befragten ihren Fernseher weniger oft ein als noch vor zwei Jahren; in Frankreich sind es immerhin schon 20 Prozent, deren TV-Konsum zurückgegangen ist.

 

Aufrüstung nötig

Das bedeutet aber nicht, dass das Fernsehkastl ausstirbt -doch ohne Internetanbindung und weitere technische Aufrüstung ist heute niemand mehr zu überzeugen. Das beweist erneut die CES (Consumer Electronics Show), bei der derzeit in Las Vegas die Trends der Unterhaltungselektronik vorgeführt werden. So hat beispielsweise der Chiphersteller Qualcomm einen neuen Prozessor vorgestellt, der in sogenannte Smart TV - also internet fähige Fernseher - eingebaut werden soll. Dieser Snapdragon-Chip S4 verfügt über einen Vierkernprozessor sowie ein Grafik- und ein WLAN-Modul. Die TV-Gerätehersteller selbst versuchen sich mit immer dünneren, immer leistungsfähigeren Modellen zu übertrumpfen; so haben etwa Sony und LG Apparate vorgestellt, auf denen die TV-Software von Google laufen wird.

 

Nichtlineares TV

Die skurrile Situation: Das klassische, lineare TV mit sturen Beginnzeiten wird uninteressanter für die Konsumenten, doch der Fernsehmarkt wächst. Die Zukunft liege im hybriden Breitbandfernsehen, meinen die Accenture-Experten - dabei wird klassisches TV mit Bewegtbild-Content aus dem Web verbunden. Ganz sicher betroffen von den weiter wachsenden Angeboten an online verfügbaren Inhalten wie Filmen sind indes die Videotheken: Ein Drittel jener Kunden, die solche Web-Angebote nutzen, leihen oder kaufen sich kaum noch Filme auf DVD.